Maskal Reisen in das Kaffee-Anbauland Äthiopien
Äthiopien ist das Land, in dem einst unsere ganz persönliche Kaffeegeschichte begann. Wir besuchen das Land weiterhin regelmäßig, sei es, um nach neuen, spannenden Kaffees zu suchen, sei es, um mit Kaffee-Liebhabern eine Reise durch das faszinierende Heimatland des „Coffea arabica" zu machen.
Äthiopien, das Heimatland des „Coffea arabica", ist sicher zu den spannendsten Kaffeeländern zu zählen. Es ist nicht nur die ungeheure Vielfalt von schätzungsweise 4000 -5000 Varitäten, es ist nicht allein die Vielzahl der Anbauformen in Gärten , auf Schattenplantagen und „Semi-forest"-Plantagen oder das Sammeln von Wildkaffee , es ist besonders die langsam greifende Liberalisierung, die die Augen vieler großer und kleiner Importeure und Röster noch stärker als bisher auf das Land blicken lässt. Hat sich die durch Verstaatlichung und starke Restriktionen während der kommunistischen Zeit von 1974 -1991 fast dem Niedergang geweihte Produktion weitgehend erholt und gefestigt (auch wenn der Handel mit Äthiopien nach wie vor seine ganz eigenen Besonderheiten aufweist.), so ist gleichzeitig ein Prozess der strukturellen Erneuerung angestoßen. Zu diesem Prozess der strukturellen Umgestaltung gehören nicht nur die beabsichtigte Dezentralisierung der staatlichen Qualitätskontrolle und die (wiederholt) beabsichtigte Veräußerung der Staatsplantagen , auch das überholte System der Auktionierung ist stark in die Diskussion geraten.
Musste bisher aller Kaffee einem der 6 großen Charaktere Yirga Cheffe , Sidamo, Limu , Harar , Jimma oder Lekempti zugewiesen werden (hinzu kommen die Staatsplantagen Tepi und Bebeka ), so ist es jetzt geradezu gewünscht, kleinräumig produzierte Kaffees unter eigenen, neu geschaffenen Labels zu verkaufen. Hierzu zählen z.B. Kaffees wie „Arsi Gololcha " (ein sonnengetrockneter Harar aus Arba Gugu / Gololcha), „Kaffa Forest" (ein gewaschener Waldplantagenkaffee aus Wush-Wush) "Gizmeret " (ein gewaschener Waldkaffee aus Bench Maji / Sheko) oder „Yirgacheffe special " (ein sonnengetockneter Yirga Cheffe aus dem „Tal des Nebels" und - inzwischen - einigen benachbarten Gebieten). Durften des weiteren z.B. sonnengetrocknete Yirgacheffes bisher ausschließlich als Sidamo Grad 5/4 verkauft werden, so ist jetzt ihr Verkauf mit der Bezeichnung „Yirgacheffe" erlaubt; dies macht aber nur Sinn bei einer exzellenten Verarbeitung, damit der hohe Ruf des Yirgacheffe weiterhin bewahrt werden kann.
Auch entstehen im Südwesten des Landes mehr und mehr kleine, meist „Semi-forest"-Plantagen bzw. Waldplantagen, die z.T. außergewöhnliche Qualitäten erzeugen.
Waren in Äthiopien nach der Ernte bisher nur zwei Verarbeitungsverfahren bekannt, das Waschen und das Sonnentrocknen, so haben die ersten Gehversuche mit der in vielen anderen Ländern praktizierten „semi-washed"-Methode zu Ergebnissen geführt, die man teilweise als geradezu sensationell bezeichnen muss. Der äthiopische Kaffee scheint wie geschaffen für diese Art der Verarbeitung.
Nicht mehr wegzudenken ist der nationale Verkostungswettbewerb auf Kooperativenebene, deren prämierte Kaffees an der elektronischen Börse bemerkenswerte Preise erzielen. Dieser Wettbewerb soll, so ist es im Gespräch, auch für private Produzenten geöffnet werden, was die Entwicklung hochwertiger „Single origin"-Kaffees weiter vorantreiben wird.
Die Liberalisierung öffnet das Tor für die Erzeugung neuer, gut verarbeiteter Spezialitätenkaffees. Es handelt sich dabei immer um „single origins" der bekannten, qualitativ ohnehin hochwertigen Kaffees wie Sidamo , Yirga Cheffe, Limu oder Harar , aber neuerdings solche aus den für den Spezialitätenmarkt bisher uninteressanten Jimmas oder Lekemptis im Westen und Südwesten des Landes. Solche Kaffees zeichnen sich aus durch besondere ökologische Voraussetzungen, durch eine klar definierte (kleinräumige) Herkunft, eine erstklassige Verarbeitung oder durch eine besonders gute „Story".
Die große Nachfrage in diesem Segment wird sicher rasch anwachsen, so dass - zumindest für die nächsten Jahre - mit einem zunehmend größeren Spektrum an hochwertigen Kaffees gerechnet werden darf. Entscheidend wird für die gesamte Entwicklung sein, dass nicht zu viele Newcomer-Produzenten und -Exporteure auftauchen, die lediglich das schnelle Geld machen wollen. Das würde dem Anspruch auf einen nachhaltig hohen Qualitätsstandard entgegen wirken.




